Zu behaupten, eine Firma zu gründen sei ein einziger grosser Spass, wäre vermessen. Nur schon die ganzen Anmeldungen, ü-ber-all muss man sich anmelden. Handelsregister, AHV, BVG, UVG – oh jemine. Und natürlich kostet fast alles irgendwie Geld. 1000 Stutz hier, einen Lappen da, macht dann Zwölf-Franken-Dreissig dort. Aber man hats ja. Noch. Und man zahlt die ganzen Rechnungen natürlich gern – kommt ja alles dem eigenen Baby zugute.

Feierlich wirds, wenn nach intensiven Wochen der Vorbereitung endlich Post vom Handelsregister kommt. Eintrag vollzogen, Baby geboren. Wunderbar!

«Wunderbar!», denken sich in diesem Moment auch unzählige hungrige KMU-Jäger da draussen. Denn kaum ist man im Handelsregister aufgeführt, machen sich die Jäger auf die Fährte. Schon einen Tag nach der offiziellen Firmengründung trudeln die ersten Schreiben ein. Auf den ersten Blick ist das ganz schön, denn die Briefe sind immer wahnsinnig nett formuliert.

«Wir haben erfahren dass Sie Ihre Firma vor kurzem gegründet haben. Dazu gratulieren wir Ihnen herzlichst», schreibt da ein KMU-Jäger aus Wädenswil. Hm, Wädenswil. Ich weiss nicht, ob ich schon jemals dort war. Dann kommt der freundliche Herr zum Punkt: Er will mir seine Dienstleistung in den Bereichen ‚Treuhand, Steuern sowie Versicherungen’ anbieten. Danke, kein Bedarf.

Ein anderer Jäger aus Crissier, Kanton Waadt (!), hat mich ins Visier genommen und will für mich ein Logo kreieren (ätsch, bätsch, hab ich schon). Ein weiterer will meiner Firma mit seinen Stempeln «den richtigen Stempel aufdrücken». Und das sind längst nicht alle, die mir auf der Lauer liegen. Bis heute hole ich täglich neue Post aus dem Teritärsektor aus meinem Briefkasten. Immer hat jemand ein «einmaliges Eröffnungsangebot» oder einen verlockenden «Startup-Bonus» parat.

Eines habe ich in den letzten Wochen gelernt. Um nicht als Freiwild zu enden, muss man als frisch gegründetes KMU ständig auf der Hut sein. Oder selber auf die Jagd gehen.