Monthly Archives: April 2016

Er pedalt für Kinder in Not

Jürg Burger (32) fährt derzeit mit dem Velo aus der Mongolei nach Luzern. Nach dem tragischen Tod seiner Frau strampelt er für einen guten Zweck – und für sich selbst.

 

Wer sich auf Facebook durch die Fotoalben von Jürg Burger klickt, staunt nicht schlecht. Manche  Aufnahmen zeigen den 32-jährigen Luzerner auf dem Gipfel eines schneebedeckten Berges, einen Klick später sieht man ihn auf einem Boot über den Atlantik oder von Japan nach Australien segeln – und wieder andere Fotos zeigen den jungen Mann, wie er sich mit seinem Velo durch atemberaubende Landschaften dieser Welt strampelt. Keine Frage: Jürg Burger ist mehr als nur ein Natur-Fan. Er ist ein echter Abenteurer. Und ja: Während Sie beim Lesen dieser Zeilen vielleicht gerade herzhaft ins Gipfeli beissen, ist er unterwegs. Einmal mehr.

700 Kilometer Schotterstrasse

Im vergangenen August unternahm der selbstständige Architekt mit zwei Kollegen eine Velotour von Sibirien in die Mongolei. Dafür legten die drei Freunde innerhalb von drei Wochen 700 Kilometer auf Schotterstrassen zurück. Einen Teil der Route absolvierten sie zudem mit der Transsibirischen Eisenbahn. In Ulan-Bator angekommen, besuchten sie das Hilfswerk Bayasgalant. Kinder aus für uns kaum vorstellbaren Verhältnissen erhalten in der Tagesstätte eine Perspektive für die Zukunft. Organisiert und finanziert wird die Tagesstätte vom Schweizer Verein Bayasgalant Kinderhilfe Mongolei. Jürg Burger kannte den Ort, weil seine Schwester dort einen Freiwilligeneinsatz als Englischlehrerin absolvierte. Nach einigen Tagen in dem Hilfswerk flogen Burgers Freunde zurück in die Schweiz – er hingegen entschied, wieder aufs Velo zu steigen. Für die Kinder in der Mongolei – aber auch aus einem weiteren traurige Grund.

 

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Tragischer Schicksalsschlag

Im Januar 2015 erlitt Burger einen traurigen Schicksalsschlag. Seine Frau, mit der er eben erst den Bund der Ehe geschlossen hatte, starb im Alter von 36 Jahren an Krebs. Der tragische Tod veränderte alles.  Natürlich verspürte Burger unendliche Trauer – aber nicht nur das: «Der Verlust war für mich auch mit einem Bruch mit der gesamten Umwelt verbunden», erklärt er. Dass «die Natur» seine Frau schon so früh zu sich holte, war für ihn ein «Unrecht», das er weder akzeptieren konnte noch akzeptieren wollte. Um die Wut zu überwinden, gab es für ihn letztlich nur einen Weg: Er musste sich der Natur stellen. Und so  beschloss er weiterzufahren – den ganzen Weg durch Zentralasien bis nach Europa, Winter hin oder her.

Unterstützt wurde er vom Luzerner Geschäft Bikelocal, das ihm eigens für die Tour ein Velo zur Verfügung stellte. Seine Reise führte den Luzerner bislang durch China, Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Kirgistan, den Iran, den Kaukasus, die Türkei bis nach Griechenland, wo er sich derzeit aufhält. 10 000 Velokilometer hat Burger schon in den Waden. Wer will, bleibt über seinen Blog stets über den aktuellen Stand der Reise auf dem Laufenden – und kann dabei auch gleich noch Geld spenden für das Kinderhilfswerk: einen Franken pro Kilometer – so die Idee. Über 10 000 Franken sind schon zusammengekommen.

 

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Prägende Erlebnisse

Am Telefon erzählt Jürg Burger von atemberaubenden Landschaften, von kleineren und grösseren  Abenteuern – und vor allem: von unvergesslichen Begegnungen. «Die Gastfreundschaft, die ich während der gesamten Reise erleben durfte, hat mich zutiefst beeindruckt.» In jedem Land sei er mit einem herzhaften Lächeln empfangen worden. Immer wieder wurde er eingeladen oder beschenkt – und das, obwohl die Leute oftmals kaum selber genug haben. «Je weniger die Leute haben, desto mehr sind sie bereit zu teilen. Das hat mich geprägt. » Rund 100 Kilometer absolvierte Burger pro Tag – und nach fünf Tagen auf dem Velo folgte in der Regel ein Tag Pause.

Um die Geschwindigkeit gings dem Luzerner nie. «Ich nahm mir viel Zeit, um Land und Leute kennen zu lernen. Zentralasien ist voller Kulturschätze.» Und auch wenn das Velofahren manchmal anstrengend war, bezeichnet er die Tour als entspannend. «Während man beim Segeln zum Teil wochenlang auf engstem Raum lebt, kann man das Velo jederzeit abstellen und in eine Beiz einkehren. Und sinken kann man auch nicht», erklärt Burger mit einem Schmunzeln. Deshalb machte es ihm auch nichts aus, wenn es unterwegs mal wieder wie aus Kübeln regnete. «In diesen Momenten ist man einfach nur dankbar, dass es Süsswasser ist.»

 

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Kulinarische Überraschungen

Auch zu essen hatte er stets genug. Mit dem Benzinkocher und den beiden Pfannen, die er im Gepäck hatte, kochte er Risotto oder eine Suppe. Zudem habe er versucht, sich stets den lokalen Verhältnissen anzupassen. Dass in der Mongolei fast nur Schaf serviert werde, sei auf Dauer zwar etwas eintönig gewesen – «ansonsten aber freue ich mich immer wieder aufs Neue auf die landestypischen Spezialitäten». Burgers Taktik: «Man darf keine Erwartungen haben, dann kann man auch nicht enttäuscht werden.»

Oftmals habe er in Restaurants zum Beispiel ein ganz anderes Gericht erhalten, als er ursprünglich zu bestellen geglaubt habe. «Im Nachhinein betrachtet war dies das Beste, was mir passieren konnte.»

Mittlerweile sind über 80 Prozent der Reise geschafft; im Moment ist er in Kroatien. In den kommenden Wochen stehen die letzten Kilometer durch Slowenien, Italien und die Schweiz an, ehe er Mitte Mai in Luzern ankommen wird. Zu Hause in Kriens wartet Jürg Burgers Mutter, die ihm sein Lieblingsgericht (Älplermagronen) kochen wird. Danach wird er nach Zürich fahren, wo er in einem WG-Zimmer zur Miete lebt. «Es werden sich einige Pendenzen angestaut haben.» Und danach? «Das wird sich zeigen.» Er habe nun das starke Bedürfnis, etwas aufzubauen, sagt Burger. «Ich möchte mein Geschäft vorantreiben, weiter durch die Welt reisen.» Noch diesen Sommer wird er nach China fliegen, um dort ein Bauprojekt zu realisieren.

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Versöhnung mit der Natur

Mit der Natur habe er sich in den vergangenen Monaten versöhnt, sagt Burger schliesslich. Obwohl er seine Velotour während des Winters absolvierte, meinte sie es immer gut mit ihm. Vielleicht lag das auch daran, dass er während der Reise nie ganz allein war. «Ich hatte stets das Gefühl, dass meine Frau und mein ebenfalls früh verstorbener Vater auch dabei sind.» Vielleicht sagt er auch deshalb: «Die Trauer ist noch nicht verschwunden, trotzdem kann ich das Geschehene heute zumindest ein Stück weit akzeptieren.»

Jürg Burger hält einen Moment inne – dann fügt er an: «Irgendwann will ich eine neue Familie aufbauen. Es gibt nichts Wichtigeres.»

 

HINWEIS

Zu Jürg Burgers Blog und Spendenaktion:

www.bayasgalant.ch/deutsch/news-1/ub-luzernper-velo/

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Der Artikel aus der Zentralschweiz am Sonntag (24.4.16)

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By |24.04.2016|Allgemein, Daily Business, Redaktion|0 Comments

Cupfinal in der Deutschschweiz: ça marche!

Oh, la la! Da haben die Verantwortlichen des Schweizer Basketballverbandes aber ein ziemlich grosses Experiment gewagt. Sie entschieden sich, den Cupfinal und damit den wichtigsten aller Basketball-Events dieses Jahr von der Romandie in die Deutschschweiz zu holen – zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten. Organisiert und durchgeführt wurde der Anlass vom Nord-Ostschweizer Basketballverband Probasket.

Dabei wissen die Leute von Swiss Basketball doch am besten, wie es um den Sport in unserer Region steht: Obwohl 2016 mit Basel, Winterthur und Swiss Central  erstmals drei Teams aus der Deutschschweiz in der NLA mitspielen, ist Basketball hier eine Randsportart und bleibt das wohl auch noch für eine Weile. Vor dem Cupfinal vom vergangenen Samstag stellte sich deshalb die Frage, ob eine Austragung in Zürich eine gute Idee ist.

 

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Die Fans von Fribourg Olympic sorgten für Stimmung. Bild Probasket

 

Die Antwort lautet: Ja! 2500 Zuschauer sorgten in der ausverkauften Saalsporthalle für ein Basketballfest, wie es die Deutschschweiz wohl nur selten erlebt hat. Aus allen Landesteilen strömten die Fans nach Zürich, um ihre Teams anzufeuern und die späteren Cupsieger (Rollstuhlbasket: Pilatus Dragons; Frauen: Riva Muraltese; Männer: Fribourg Olympic) zu bejubeln.

 

Auch viele Basketball-Neulinge waren da. Sie staunten ob der Geschwin digkeit des Spiels und ob der Sprungkraft der Athleten. Mit jedem «Slam Dunk» stieg der Lärmpegel in der Saalsporthalle weiter in die Höhe. Und wenn die Qualität des insgesamt sehr spannenden Spiels doch einmal zu wünschen übrig liess, sorgten beim nächsten Time-out eine professionelle Cheerleader-Truppe oder der Englisch sprechende Einpeitscher für Stimmung.

 

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Fribourg-Spieler Jonathan Kazadi in Action.
Foto: Michael Lehner, Fribourg Olympic Basket

 

Nach einem langen Basketball-Tag war denn auch allen Anwesenden klar: Der Mut der Ligaverantwortlichen hat sich ausgezahlt. Das Experiment «en Suisse alémanique» ist geglückt – und wird wiederholt. 2017 findet der Cupfinal erneut in der Deutschschweiz statt. C’est magnifique!

 

PS: Dass ich als «Sideline»-Reporter beim Cupfinal-Event eine aktive Rolle einnehmen durfte, freut mich natürlich ganz besonders. Herzlichen Dank an die Verantwortlichen von Probasket für das Vertrauen!

 

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Reportereinsatz vor dem Finalspiel der Frauen.  Foto: Probasket

By |12.04.2016|Allgemein, Daily Business, Moderation, Sport|0 Comments