Max Dätwyler betritt den Raum. Das Jackett locker geöffnet, die Haare nach hinten gekämmt, gemächlicher Gang. Nach einem freundlichen Händedruck nimmt er Platz am runden Sitzungstisch. Frau Schneebeli, Dätwylers Sekretärin, bringt zwei Tassen Kaffee. Der 83-Jährige bedankt sich höflich.

Wir befinden uns im ehemaligen Büro von Dätwylers Vater Adolf. Von dem Mann, der diesen so bedeutenden Urner Werkbetrieb im Jahr 1915 übernahm und vor dem drohenden Bankrott be- wahrte. Seit dessen Tod 1958 ist das Büro kaum verändert worden. Heute wird der Raum nur noch für Sitzungen benutzt. Oder in seltenen Fällen für Gespräche mit Journalisten. Max Dätwyler knurrt: «Eigentlich hasse ich Interviews.» Das sitzt. Und spornt an. Denn trotz der scharfen Zunge bewahrt der Gastgeber stets seinen Charme. Auf die Frage, wie lange er für das Gespräch Zeit habe, antwortet er: «Nehmen wir uns die Zeit, die wir brauchen. Hauptsache sie sprechen laut.» Dätwylers Gehör ist nicht mehr das Beste, der Kopf aber ist fit wie eh und je. (…)

PDF: Portrait Max Dätwyler

Anmerkung: Das Portrait über Max Dätwyler wurde am Urner Medienpreis 2013 mit dem zweiten Rang ausgezeichnet.